Was ist ein Eco Twin?
Für viele Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle gibt es einen Zwilling – einen Eco Twin®. Er erfüllt die gleichen Funktionen – mit einem anderen Ansatz in der Wertschöpfung: weniger CO₂ und andere Treibhausgase, weniger Chemikalien, weniger Ressourcen und Material in der Produktion und während der Nutzung und ein neuer Einsatz am Lebensende.
Ökologisch und ökonomisch die bessere Lösung.
Manche Eco Twins sind alte Bekannte: Bauen mit Holz statt Stahlbeton etwa, eine seit Jahrhunderten bewährte Technik. Sie gewinnt heute unter veränderten Anforderungen an Klimaschutz und Ressourceneffizienz neue Relevanz.
Andere sind neuere Durchbrüche: Tencel™, eine Textilfaser auf Holzbasis, wird als Alternative zu Baumwolle und synthetischen Fasern eingesetzt und ist längst Standard, in Premium-Fashion und im Mainstream. Oder recycelter Kunststoff, rPET, für Flaschen und Verpackungen statt rohölbasiertem Kunststoff als Primärmaterial. Fast alle großen Konsumgüterhersteller haben mittlerweile verbindliche rPET-Quoten. Vor 20 Jahren war das eine Randnotiz, heute ist es Industriestandard und regulatorisch verankert.
Die nächste Generation an Mega-Innovationen steht schon in den Startlöchern für eine breite Anwendung: Materialien auf Basis von Pilzen als Ersatz für erdölbasierte Schäume, biologisch abbaubar und schnell nachwachsend. Algen liefern nachhaltiges Protein auf Pflanzenbasis. Beton wird über neue Verfahren zum Kohlenstoffspeicher statt zur Emissionsquelle weiterentwickelt.
Eine neue Wirtschaft entsteht gerade auf der Suche nach einem besseren Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Und Eco Twins sind ihre Bausteine.
Circular Economy und Cradle to Cradle
Die Grundlage für Eco Twin liegt in der Circular Economy und in Cradle to Cradle. Beide Konzepte sind Gegenentwürfe zur Linearwirtschaft mit ihrem Prinzip take, make, waste: Rohstoffe entnehmen, verarbeiten, wegwerfen. In der Circular Economy bleiben Materialien im System. Ihr Wert bleibt erhalten, Abfallströme werden zu Rohstofflagern und zum Ausgangspunkt neuer Wertschöpfung. Die Lebenszyklusanalyse – kurz LCA – macht sichtbar, wo im Produktleben der größte Impact entsteht und wo ein Eco Twin den Unterschied macht. Wer in Kreisläufen denkt, reduziert Kosten, senkt Abhängigkeiten von volatilen Rohstoffmärkten und schafft Mehrwert.
Cradle to Cradle geht weiter: Abfall ist kein Managementproblem – er ist ein Designfehler. Produkte werden so entworfen, dass ihre Materialien nach der Nutzung vollständig in biologische oder technische Kreisläufe zurückgeführt werden können, auf gleichem Qualitätsniveau.
Startups und Konzerne, Architekten, Ingenieure, Klimawissenschaftler, Chemiker, Materialwissenschaftler, Produktdesigner und viele andere entwickeln weltweit Lösungen auf dieser Grundlage. Neue Materialien, Prozesse und Geschäftsmodelle entstehen – und mit ihnen neue Wertschöpfungsketten. Die Motivation hinter diesen Innovationen und Transformationen ist unterschiedlich: Die einen treiben Dekarbonisierungsziele und regulatorische Rahmenbedingungen, andere möchten ihre Lieferketten resilienter gestalten. Wieder andere handeln aus intrinsischer Überzeugung und haben Nachhaltigkeit und ESG-Kriterien in ihrem Geschäftszweck verankert. Sie alle eint der Wunsch, Wirtschaft regenerativ und dekarbonisiert zu gestalten. Nie war das Tempo höher.
Gibt es eine Vision?
Ja. Im besten Fall sprechen wir in 12 Jahren nicht mehr von Eco Twins. Dann sind faire, ethische, ökologische Standards etabliert und das neue Normal. Wir machen ein Buch und dokumentieren die Transformationsgeschichten aus dem Magazin. Und diese Website hier wird ein Blick zurück in eine vergangene Zeit.


